Liebe Leserinnen und Leser,
vor Kurzem hatte ich ein Gespräch mit A. aus Frankfurt, das mich sehr nachdenklich gemacht hat. Sie hat eine halbe Stunde ins Mikro geschrien, all ihren Hass, ihre Angst und ihren Frust über Deutschland, die Menschen und die Perspektiven ungebremst über mich drübergekippt.
Bis ich auflegte. Klingt hart. Doch es war notwendig. Ich habe mehrfach versucht, sie aus ihrem Film zu holen, doch sie wollte das nicht. Sie wollte sich auskotzen. Erleichtern.
Aus meiner Logik gibt es in so etwas keinerlei Sinn. Denn mir ist klar, dass das keine dumme Frau ist. Sie ist nur extremst angespannt. Im Überlebensmodus. Ja, sie wird sich kurzfristig besser fühlen, weil sie Dampf abgelassen hat, aber es wird sich nichts ändern. Und dafür bin ich nicht die richtige Adresse. Mag ich auch gar nicht sein. Mich kannst du anfunken, wenn es um Mut geht, um Zuversicht und um „etwas vorhaben“.
Immer öfter erlebe ich in Gesprächen mit Menschen in Deutschland, dass die Stimmung gefährlich kippt. Leistungsträger verlieren ihre Jobs. Die Wirtschaft stagniert. Politisch und gesellschaftlich ist keine klare Linie erkennbar. Man wartet auf die Lösung von außen. Doch die Lösungen, die kommen, machen dem einen Mut und dem anderen Angst. Es wird zunehmend radikaler. Werte und ehemalige Tabubereiche weichen auf. Und die weltpolitische Lage macht alles noch schwieriger …
Das Gespenst der Angst scheint Deutschland im Griff zu haben. Die Menschen haben Angst. Vor der Politik und den politischen Trends. Sie haben Angst vor dem Krieg, sie haben Angst um die Rente und ihre Sicherheit – und sie haben Angst, weiter angelogen zu werden.
Sie haben Existenzangst. Die sich in Wut und Frust entlädt.
Nun bekomme ich das aus meiner Wahlheimat Südafrika mit, einem Land, wo das Leben de facto um ein Vielfaches schwieriger ist als in Deutschland. Südafrika hat wirklich viele Baustellen und Herausforderungen – in ganz anderen Dimensionen.
Doch Südafrika hat eines: ZUVERSICHT.
Ich frage mich, seit ich Deutschland verlassen habe und es aus einer anderen Perspektive sehe, wie ich mit meiner Erfahrung und meinem Wissen Impulse geben kann, die im Hirnkastl etwas bewirken. Ein Stück Zuversicht vermitteln. Wege aufzeigen, wie Zuversicht entstehen kann.
Und was ich sehe – nein, weiß – als jemand, der schon viele Niederlagen hingenommen hat, Existenzängste hatte und selbst mal an dem Punkt stand, wo ich vom Leben so enttäuscht war, dass ich verbittert war (kann ich mir heute gar nicht mehr vorstellen), ist:
MINDSETARBEIT hilft!
Denn das Schöne in der Welt ist immer da! Wir sehen es nur nicht, wenn wir von Mangel, Bitterkeit und Angst gesteuert sind. Dann sehen wir nur das Hässliche, Beliebige und das, was nicht funktioniert.
Nein, ich will nichts verkaufen. Ich will meine Gedanken teilen und anregen, sich zu erinnern, dass es immer beides gibt und gab und auch geben wird auf der Welt. Das Schöne genauso wie das Hässliche. Es ist immer beides da. Im Großen wie im Kleinen.
Doch das Leben ist um ein Vielfaches lebenswerter, wenn wir uns auf das Schöne konzentrieren. Auf das, was funktioniert.
Es ist eine Frage der Perspektive. Des Denkens. Vielleicht ist Deutschland bereit, die berühmte „German Angst“ hinter sich zu lassen. Statt in Angst und Sicherheit in Aufbruch und Zuversicht zu denken. Das geht, und das kann man lernen. Südafrika lebt mir das jeden Tag vor. Es ist einfach eine Entscheidung. Es wäre eine historische Chance.
Wie seht ihr das?
Ganz liebe Grüße von eurer Conny Schumacher

„Wie ist das bei euch mit Schmerzen?“, fragt Andrea, ein junger Italiener, am Abend vor der Königsetappe über die Hospitalesroute – 25 km über die galicischen Berge in unwirtlichster Gegend.
Die Tage verschwimmen. Morgens verlässt du die Herberge, noch im Halbdunkel, und weißt: Heute sind es wieder 20, 25, manchmal auch 30 Kilometer.
Dann kommt das Highlight: Die Hospitales-Route, 1.200 Meter hoch, zeigt endlich Unwegsamkeiten, atemberaubende Natur, die Einsamkeit der Berge und die Härte der Elemente. Hier oben gibt es keine Automaten, du musst alles selbst tragen, hast kaum Handyempfang, bist also wirklich auf dich selbst gestellt. Der Wind weht dich fast um, es ist kalt, der Regen peitscht dir von der Seite ins Gesicht und die Sicht beträgt kaum zwanzig Meter.
h der Moment, wo wir uns wie echte Pilger fühlen. So war es vor Jahrhunderten. Raue Natur, keine Automaten, kein Entkommen, tiefe Demut, Ehrfurcht, Vertrauen. Das läutert und gibt ein unglaubliches Gefühl der Stärke. Wer die Hospitales im Regen schafft, der weiß tief in sich drinnen wieder, wer er ist und was er kann.
Und dann bin auch ich auf dem Platz vor der Kathedrale. Es ist still, kein Tamtam, keine Musik. Finde ich wunderschön, denn so kann jeder sein Ankommen nach seiner Fasson feiern. Hunderte von müden und verschwitzten Pilgerinnen und Pilgern aus aller Herren Länder kommen dort jeden Tag an; von morgens bis abends ist Betrieb auf dem Platz. Manche weinen, andere singen, viele liegen sich in den Armen, beten, ein Pärchen küsst sich innig. Man grüßt sich lächelnd, ohne sich zu kennen. Was uns alle verbindet, ist dieses Wissen: Wir haben uns gestellt und sind hier angekommen. Innen wie außen. Dieser Platz gehört uns. Wir kommen alle von irgendwoher, halten hier inne und gehen danach wieder unserer Wege. Und jeder hat Hunderte von Geschichten zu erzählen, wenn er nach Hause kommt.
Ich persönlich hatte drei unterschiedliche Empfindungen: Auf den endlosen Etappen über Asphalt und durch die Dörfer spürte ich: Wir vermitteln Frieden. Wer hier läuft, hat gute Absichten. Das war einfach nur schön. Ein schönes Gefühl. Auf der Hospitalesroute habe ich mich selbst wiedergefunden. Und auf dem Platz vor der Kathedrale hatte ich das Gefühl, wir haben etwas, was uns für verbindet. Für immer.