Motivationstraining – Kann man Motivation trainieren?

Bei diesem Thema lehne ich mich weit aus dem Fenster, das ist mir bewusst. Schließlich lebt eine ganze Gilde von Coaches davon, ihre Mitmenschen zu motivieren. Auch ich bin ein Motivator und mein Erfolg basiert darauf, die Menschen mitzureissen. Dennoch muss die Frage erlaubt sein: Kann man Motivation überhaupt trainieren und wenn – hat dies auch ein nachhaltiges Ergebnis?

Motivation ist vergleichbar mit der Hoffung – es ist unsere Triebfeder zum weiterkommen, durchhalten, nicht aufgeben. Sie gehört zu den Urbedürfnissen des Menschen und ist ebenso instabil wie unerlässlich, um im Leben bestehen zu können.

Womit wir schon mitten im Thema sind. Ich frage mal ganz provokativ: Wenn ich weiß, was ich will, wo ich hinwill, was ich erreichen will – mein Ziel also klar vor Augen habe – wozu brauche ich dann zusätzliche Motivation? Ist das Ziel nicht Motivation genug?

Es gibt zwei Arten von Motivation: die extrinsische Motivation und die intrinsische Motivation.

Extrinsische Motivation kommt von aussen. Da werde ich durch einen Trainer motiviert, der mich an die Hand nimmt . Er lobt mich, päppelt meine Wünsche und Bedürfnisse , spricht meine Sehnsüchte an, fängt mich auf, wenn ich durchhänge, streichelt mein Selbstvertgefühl und gibt mir das Gefühl, etwas ganz besonderes zu sein.

Dagegen ist NICHTS einzuwenden. Garnichts. Bis auf eines: Ich gebe die Verantwortung für mich und mein Wohlergehen ab. Und schon bin ich der Meinung, ich kann nur zum Laufen gehen, wenn der Trainer mitgeht. Oder ich kann nur was erreichen, wenn ich mich vorher habe „einstimmen“ lassen.

FRAGE: Stimmt das? Können wir nur laufen, Gewichte stemmen, Großes vollbringen, wenn wir von aussen motiviert sind?

Ich sage Ihnen meine Meinung dazu: Ich fände es ein Armutszeugnis, wenn ich meine Ziele  nur erreichen kann, weil mich von außen wer pusht. In welcher Form auch immer.

Motivationstraining ist also auch für den Trainer eine heikle Sache – denn eigendlich sollte das Ziel sein, den Kunden unabhängig, selbständig zu machen und in die Eigenverantwortung zu nehmen. Was auch jeder ethisch saubere Trainer weiß. Schließlich ist der Erfolg des Kunden unser wirklicher Lohn. Womit wir uns überflüssig machen…

Ich gebe Ihnen dazu ein Beispiel aus meiner Trainerpraxis: Über das Unternehmerportal XING kam die Anfrage eines 3-fachen Familienvaters nach den Kosten für Personal Training; er müsse abnehmen. Nun,  nach ein bisschen hin und her um den Preis (als 3-fach-Papi versehe ich, dass Geld ein Thema ist) habe ich mir sein Persönlichkeitsprofil angesehen und ihm gesagt: „lieber Herr XY, Sie wissen alles, was Sie brauchen um anzunehmen. Sie haben schon soviel erreicht in Ihrem leben – Sie schaffen das auch ohne mich!“. 3 Monate später rief er mich an – er hat 12 Kilo abgenommen und ist superglücklich.

Was habe ich gemacht? Ich habe an seinen Ehrgeiz, an seine Eigenveranwortung apelliert. Bin ich jetzt ein guter Motivationstrainer? Ein schlechter Geschäftsmann vielleicht…

Im Gegensatz zur extrinsischen Motivation gibt es nämlich die intrinsische Motivation: Sie kommt aus uns selbst heraus. Da brauche ich keinen Antreiber von aussen. Da weiß ich selbst, was ich zu tun habe, weil ich weiß, wo ich hinwill.

Wer meinen Sie hat mehr Chancen Erfolg zu haben – der extrinsisch motivierte oder der intrinsisch motivierte?

Im Prinzip haben wir – und wissen wir – alles was wir brauchen. Wir trauen uns selbst nur nicht zu, so weise und fähig zu sein. Je mehr positive Erfahrungen wir in der Richtung aber gemacht haben, desto höher ist auch unserSelbstwert und Selbstvertrauen, desto weiger brauchen wir das Tschkkatschakke von ausen.

Und klar hat auch der intrinsisch motivierte seine Hänger, seine Durstphasen im Leben, in denen ihm ein aufbauendes Gespräch enorm weiterhilft. Manchmal reicht auch nicht eines, da brauchts mehr.

Da ist dann eher die Frage erlaubt, wie man mit den Dürreperioden des Lebens umgeht. Denn das sind die Phasen, aus denen man am meisten lernen kann. Nur Erfolg haben im Leben geht nicht. Wer gewinnen will, muss zuerst verlieren lernen. Niederlagen gehören dazu im Leben und machen uns stark. Die sind eine Chance auf Weiterentwicklung. Diese Phasen MUSS man überwinden, dann macht man einen Riesensatz nach vorn. Erfolg muss man sich erarbeiten.

Merke: Nicht die linear verlaufende Trainingskurve führt zur wahren Meisterschaft, sondern das Durchhalten, wenns eng wird. Da sitzen wir auch alle im selben Boot. Jeder hat diese Herausforderungen im Leben und jeder muss da durch.  Gewinnen tut, wer einmal mehr aufgestanden ist als die anderen. Das weiß jeder Sportler. Und dafür lieben wir auch die Sportler. Einen Boris Becker, er mehr als einmal Matchball gegen sich hatte und dann das Spiel noch rumgerissen hat. Einen Hermann Maier, der vom österreichischen Skiverband als Jugendlicher schon aussortiert worden war und es aus eigener Kraft an die Weltspitze gebracht hat. Und ich sage Ihnen, das war kein Zuckerschlecken.

Motivationseinbrüche sind für mich immer eine gute Chance zu hinterfragen WARUM ich etwas machen und WAS erreichen will.  So komme ich an das ran, was mir wirklich am Herzen liegt. Deswegen ist eine Standortbestimmung ab und zu auch mehr als sinnvoll, denn:

„Viele Menschen verfolgen hartnäckig den Weg, den sie einmal eingeschlagen haben. Aber nur wenige verfolgen das Ziel, das sie wirklich wollen.“

Ich sag Ihnen aus Erfahrung: Wenn das Ziel zu weit weg ist, zu vage erscheint, und die Strategie dahin falsch gewählt ist, häufen sich die Motivationslöcher. Es gilt dann zunächst die Strategie auf den Prüfstand zu stellen und ehrlich zu fragen – was wollte ich eigendlich wirklich? Was gibt mir dieses Ziel? Motiviert mich dieses Ziel per se noch oder mache ich es nur doch noch anderen zuliebe?

Bruachts dazu einen Coach? Kann der Coach sich besser in Sie reinfühlen als Sie selbst? Weiß der um Ihre Werte, um Ihre brennenden Verlangen? Die Gründe dafür? Kann Ihnen ein Außenstehender wirklich sagen, was Ihres ist?
Auch da ist meine Beobachtung: Wer meint, das Heil komme von aussen, der wirds nie finden.

Die Kraft kommt aus dem Bauch, sagen die Chinesen. Recht haben sie. Im Bauch sitzt der Instinkt, wir entscheiden letztlich doch aus dem Bauchgefühl. Oft fernab jeglicher Logik. Und dennoch richtig. Drum wäre für mich ein guter Motivationsrainer, wer mich ermutigt, wieder auf meinen Bauch zu hören. Und mich damit in die Unabhängigkeit der Motivation von aussen zu führen. Derartige Motivationstrainer verdienen für mich den Begriff „Motivationstrainer“. Manche sagen auch „Engel“…

So und jetzt, ehe man mir Dilettantismus vorwirft: Ich bin selbst Trainer und weiß, wie wichtig Motivation ist. Im Normalfall, im Alltag haben wir  immer eine Mischung aus intrinsischer Motivation und extrinsischer Motivation.

Das was heute Coaches machen, haben früher gute Freunde gemacht. Sich zusammen hinsetzen, Zeit nehmen, aufrichtig zuhören, mitfühlen, mitfreuen, mitfiebern. Ich weiß nicht, wie Ihre Erfahrung ist, aber das meiste ist doch gesunder Menschenverstand gepaart mit ein wenig Menschlichkeit! Sagt zumindest MEIN Coach…

Klar gibts Situationen, in denen ich professionelle Hilfe benötige, das will ich nicht in Frage stellen. Und dazu brauchts professionelle Berater.

Für die Alltagsmotivation, um ein Ziel zu erreichen allerdings – da empfehle ich: Sorgen Sie zuallererst mal gut für sich – und dann engagieren Sie sich für andere! Suchen Sie sich gute Freunde, unterstützen Sie sich gegenseitig. Finden Sie passende Trainingspartner oder bilden Sie ein Erfolgsteam aus Gleichgesinnten. Seien Sie dabei verbindlich! Auch Rom ist nicht an einem Tag erbaut worden – vor Ihnen liegt ein langer, gemeinsamer Weg, der aber vom ersten Tag an Spaß machen darf! Und dann: Jammern Sie Ihren Freunden nicht permanent die Ohren voll. Achten Sie auf Ihrem intrinsischen Motivationslevel, dann macht Sie gelassen. Haben Sie Respekt vor der Hilfsbereitschaft der anderen. Sein Sie dankbar dafür. Geben Sie und nehmen Sie. Fangen Sie sich gegenseitig auf und wachsen Sie gemeinsam.

Denn nichts motiviert mehr, als mit Menschen, die mir am Herzen liegen, Erfolge zu teilen!

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