Meine Story oder: Die Mischung machts

Sportökonomin Conny Schumacher - schon immer mehr Bewegunsgdrang als andere

„Wie wird man Sportökonom?“, werde ich immer wieder gefragt. Nun, ich komme aus einer Musikerfamilie und mein Vater war wahnsinnig enttäuscht, dass ich als Kind lieber Fussball spielen wollte als Klavier. Doch Stillsitzen und Tonleitern üben war ein Horror für mich und so landete ich im Sportverein statt bei der Musik.

Ich begann mit Leichtathletik, war besonders gut im Hochsprung, und schnell die jüngste bayrische Meisterin in meiner Altersklasse. Und fing an mich zu langweilen.

Meine Schwester hat das Volleyball entdeckt und das war dann so richtig Meines: MANNSCHAFTSSPORT!

Dem Volleyballsport bin ich lange treu geblieben. Allerdings entdeckte ich auch, dass es ein Leben außerhalb des Sports gibt und musste mich entscheiden, ob ich ernsthaft Volleyball spielen will und damit auf vieles andere verzichte. Ich entschied mich dagegen. Ich war nie der durchgetaktete Überflieger. Mit 3-4 x die Woche Sport fand ich mein Soll erfüllt. Das war genau die Mischung, die ich klasse fand: Ich hatte Spaß, ich hatte Erfolge, ich war gefordert – aber der Rest des Lebens fand nicht ohne mich statt.

Denn eigentlich wollte ich ja Rechtsanwältin werden. Und kennen Sie das? Sie haben sich was in den Kopf gesetzt, alles daran gesetzt, es zu bekommen – und dann merken Sie, Sie sind im falschen Film? So ging es mir in meiner ersten Juravorlesung. Diese Art zu denken passte nicht, absolut NICHT zu meiner Idee von Fairness und Gerechtigkeit, wie ich sie jahrelang im Sport kennen- und schätzen gelernt hatte. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin froh, dass es gute Juristen gibt. Aber ich für meinen Teil entschuldige mich, wenn ich einen Fehler gemacht habe, und regle die Dinge auch heute noch lieber von Mensch zu Mensch, mit gesundem Menschenverstand und per Handschlag.

Also irgendwas mit Sport. Nur WAS? Meine Mutter entdeckte diesen Studiengang „Sportökonomie“ in der Zeitung. Es ist eine Mischung aus Sport, BWL und Recht und ich wusste sofort: „Das ist es!“ Nur Sport wäre mir zu wenig gewesen, zu Recht hatte ich eh eine Affinität, aber auf BWL wäre ich nie gekommen. Die Mischung passte zu mir. Was für den Body UND fürs Hirn…

Was danach kam ist schnell erklärt: Ich blieb zweigleisig. Mit 30 Jahren machte ich mich selbständig und baute mit meinem Lebensgefährten einen on- und offline CD-Handel auf. Heute würde man sagen: E-commerce. Wir hatten 4 Mitarbeiter, waren sehr erfolgreich und hatten ein großartiges Leben.

Weil ich dem Sport aber unbedingt treu bleiben wollte, arbeitete ich zusätzlich als Trainer im Fitnessstudio. Und erkannte schnell, dass die Angebote sich mit dem, was sinnvoll wäre, nicht unbedingt deckten. Es musste individueller sein! Und so hatte ich vor knapp 21 Jahren meinen ersten Personal Training Kunden. Ich trainierte vor allem Manager, die immer unter Volldampf stehen, gesundheitlich angeschlagen sind, aber wenig Zeit haben – und musste für sie effektive Lösungen finden. Aus diesen Beobachtungen heraus entstehen auch heute noch meine Fitnessempfehlungen: Alltagstauglich, mit wenig Aufwand hocheffektiv, am eigenen Leib getestet und für gut befunden.

Ich merkte auch, dass Sport oft nur ein Türöffner ist, und die Probleme vielfach ganz woanders liegen. Als mir 3 Kunden hintereinander in der dritten Laufeinheit von ihren Beruf- und Eheproblemen erzählten, begann ich eine Coaching-Ausbildung. Ich lernte zuzuhören, nachzufragen und meine Meinung zurückzuhalten, bis ich gefragt werde. Ich lernte den Mut der Menschen zu schätzen und achtsam mit dem umzugehen, was mir anvertraut wurde. Kurz: Ich wurde vom Fitnesstrainer zu einem echten Coach.

Mein heutiger Ansatz ist die Essenz aus fast 40 Jahren Sport-, gut 20 Jahren Berufs- und noch mehr Lebenserfahrung. Das Zauberwort heißt Funktionalität und mit diesem grundsoliden Ansatz haben meine Kunden auf allen Ebenen unendlich viel Positives bewegen können.

Und da ich nun mal aus einem Künstlerhaushalt komme, bin ich auch eine Rampensau: Ich liebe es, auf der Bühne zu stehen. Für die Vermittlung von Inhalten sind Videos, Vorträge und Workshops GENIAL! Doch wenn es an die Disziplin beim Umsetzen geht, bin und bleibe ich ein Fan von Individualität und Einzelbetreuung. Der Erfolg gibt mir recht, die Mischung macht´s…

Was mich persönlich angeht, so bin ich dem Sport immer treu geblieben. Sport hat mein Leben geprägt und das im Guten: Mein ganzes Sozialverhalten habe ich im Sport gelernt, meine Cholesterinwerte senken jeden Praxisschnitt, ich habe ein Standing, und ich kann verlieren, ohne aufzugeben. Sagte ich schon, dass ich kein Überflieger bin? Auch in meinem Leben gab und gibt es harte Phasen, und als mich vor einigen Jahren erst die Trennung von meinem Partner, und im Schlepptau der Veränderung eine Verletzung nach der anderen erwischte, war ich nahe dran, meinen Job als Trainer aufzugeben. Doch alle, die solche Phasen durchlebt haben, wissen: GET BACK STRONGER. Denn Sieg und Niederlage liegen so eng beieinander, dass man sich darüber tunlichst niemals identifizieren sollte. Ich bin froh, dass ich das früh gelernt habe. Die Liebe zum Sport und der Wunsch, weiterzugeben, was Sport für mich bedeutet, haben mir den Mut gegeben, dranzubleiben.

Rückblickend würde ich sagen: Sport ist wie der Mikrokosmos des Lebens. Im Sport wie im Leben gibt es Regeln und wir bekommen für alles was wir tun, immer die Quittung. Beim Sport sogar im Zeitraffer: Wenn wir alles richtig gemacht haben, schießen wir das Tor. Und was passiert, wenn wir einen Fehler machen? Nun, im Sport bleibt glücklicherweise keine Zeit zum jammern. Da müssen wir hellwach sein, um situationsgerecht und sofort zu reagieren, sonst haben wir vielleicht die (moralische) Schlacht gewonnen, aber das Spiel verloren.

Was uns für dieses Spiel rüstet, sind wir selbst. Unser Körper, unser Herz und unser Hirn. Vor uns selbst gibt es kein Verstecken, das Leben ist immer live und das macht die Sache so spannend… Sich selbst zu besiegen ist und bleibt die größte Herausforderung – und deswegen liebe ich es auch heute, nach einem halben Leben, immer noch, Sportler und Trainer zu sein.

Ihre Conny Schumacher